Türöffner per Homematic betätigen

Der schlüssellose Zugang zu seinem Haus ist eine interessante Möglichkeit, die natürlich in keinem Smarthome fehlen darf. Vor Kurzem habe ich bereits beschrieben, wie sich die Haus- bzw. Wohnungstür mittels einer Keymatic öffnen lässt (zum Artikel). Jetzt stellt sich noch die Frage, wie sich bei Mehrfamilienhäusern der Türöffner betätigen lässt, ohne in den allgemeinen Bereichen (Haustür/Flure) rumbasteln zu müssen.

Wenn auch dieses Problem gelöst ist, kann der Zugang zur Wohnung vollständig via App erfolgen. Weiterhin lässt sich z. B. die Haustür automatisch öffnen, wenn ein Lieferdienst klingelt, um z. B. ein Paket an einen Paketbutler zu liefern. Im Anwendungsfall der automatischen Öffnung sollte ein Programm die Zeiten, zu denen die automatische Öffnung möglich ist, beschränken.

Anforderungen

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist es mir wichtig, das ganze innerhalb der eigenen Wohnung umzusetzen. Es soll nicht in öffentlich zugänglichen Schaltkästen eingegriffen werden. Weiterhin ist es mir wichtig, einen Homematic Aktor zu verwenden, der eine galvanische Trennung bietet. Somit sind beide Stromkreise komplett voneinander getrennt und es sollte nichts schief gehen.


Die letzte Anforderung ist, dass der Türöffner eine vordefinierte Zeit den Taster betätigt und selbstständig wieder „loslässt“. Würde das nicht so sein, könnte es passieren, dass im Falle von Funkstörungen der Türöffner dauerhaft betätigt wird. Damit wäre die Tür dauerhaft geöffnet, der Summer würde dauerhaft summen und eventuell dabei zerstört werden, da er nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt ist.

Der Homematic Aktor

Ich habe mich für den HmIP-PCBS (ca. 23 € bei ELV und 30€ Amazon) entschieden, über den ich vor kurzem einen separaten Artikel geschrieben habe. Es handelt sich dabei um einen HmIP Aktor. Wer kein HmIP möchte, findet ihn auch als „echtes“ Homematic Gerät unter dem Namen HM-LC-Sw1-PCB (auch ca. 23 €, nur bei ELV). Der Schaltaktor ist relativ günstig, schaltet per Relais (galvanische Trennung) und unterstützt die Konfiguration von Einschaltzeiten (wie die meisten HM Aktoren). Grundsätzlich wird das auch mit vielen anderen Schaltaktoren gehen, aber ich verwende für diesen Tutorial den HmIP-PCBS. Wichtig ist später die richtige Konfiguration.

Der Relaisausgang (nicht open collector!) des Schaltaktors wird einfach mit den beiden Kontakten des Tasters für den Türöffner verbunden. Wie rum ist egal. Der alte Taster kann weiterhin verbunden bleiben, somit funktioniert beides (parallel schalten). Achtung: Das Relais kann maximal 30 V ab. Solltet ihr aus unerklärlichen Gründen ein System mit höherer Spannung haben, muss zum Beispiel ein RSM1 (ca. 9 € bei ELV) dazwischen geschaltet werden.

Programmierung des Türöffners

Wie bereits in den Anforderungen erwähnt, muss der Aktor nach einer vordefinierten Zeit von selber zurückfallen. Andernfalls würde eine Beschädigung des Türöffners riskiert werden und die Haustür wäre dauerhaft geöffnet.

Um zu verhindern, dass man selber den Aktor auf „EIN“ schaltet (dauerhaft ein!), sollte die Bedienfunktion deaktiviert werden. Damit taucht der Ein/AUS Button nicht mehr in den Apps oder der WebUI auf. Zum Deaktivieren der Buttons sind folgenden Schritte durchzuführen:

  • Einstellungen öffnen
  • Geräte auswählen
  • Die Schaltplatine anklicken (auf die Zeile, nicht rechts auf Einstellungen klicken)
  • Im folgenden Dialog das Häkchen bei „Bedienbar“ entfernen 
  • Dialog mit OK bestätigen

Wird der Aktor nun unter Bedienung -> Geräte ausgewählt, tauchen die EIN/AUS Buttons nicht mehr auf. Die Steuerung kann ab jetzt nur noch Programmgesteuert erfolgen.

 

Als nächstes wird das Homematic Programm eingerichtet. Auch eine manuelle Türöffnung vom Sofa aus, sollte immer nur durch Starten dieses Programmes durchgeführt werden. Für die manuelle Öffnung via App könnte man ein separates Programm anlegen und ein zweites um z.B. dem Lieferdienst die Tür zu öffnen, wenn er geklingelt hat. Die Triggerbedingung lasse ich einfach mal weg, da kann jeder machen was er will:

Zur Erklärung: Die Einschaltverzögerung wird auf 4 Sekunden gesetzt und dann wird der Aktor eingeschaltet (Relais geschlossen). Im Schaltaktor startet ein 4 Sekunden Timer, der das Relais nach Ablauf automatisch wieder öffnet. Somit wird sichergestellt, dass das Relais auch dann öffnet, wenn plötzliche Funkstörungen auftreten. Einige User schalten auf die Weise auch Aktoren, am Rande des Funkempfangs. Man kann z.B. alle 5 Minuten einen EIN-Befehl an eine Lampe mit Einschaltdauer 15 Minuten senden. Falls der AUS-Befehl nicht empfangen wird, geht die Lampe definitiv nach 15 Minuten automatisch aus.

Beispiel zur automatischen Türöffnung für den Paketboten

Dieses Programm soll nur ein Beispiel sein, um zu zeigen, dass es Sinn machen kann den Türöffner einzubinden. Ob das so umgesetzt wird, liegt natürlich bei jedem Benutzer. Die Idee ist, dass der Paketbote klingelt und das Paket ohne Kontakt mit Anwohnern in einen Paketbutler liefern soll.

Da der Paketbutler vor der Wohnungstür liegt, muss der Bote in den Hausflur gelassen werden. Da in etwa bekannt ist wann der Bote kommt, sollte die automatische Öffnung auch auf diese Zeit begrenzt werden (man könnte es auch nur einmal erlauben – ist aber riskant wenn morgens jemand anders klingelt). Das Programm könnte beispielsweise so aussehen:

Für diesen Anwendungsfall muss natürlich auch die Türklingel in Homematic eingelesen werden (da ich noch keinen Klingelsensor habe, verwende ich für dieses Tutorial ein virtuelles Gerät). In diesem Beispiel habe ich die Öffnung zeitlich begrenzt, noch schöner wäre natürlich ein Schalter an der Wohnungstür oder ein Systemzustand der per App gesetzt wird. Aber das ist letztendlich Geschmackssache.


Da in einem Mehrfamilienhaus wahrscheinlich nicht alles mit Homematic wired verkabelt ist, kann auf den Klingelsignalsensor zurückgegriffen werden. Dieser Sensor meldet, dass die Klingel betätigt wurde. Es kann nicht einfach ein beliebiger Digitaleingang von anderen Sensoren verwendet werden, da Klingeln in der Regel mit 12 V AC (!) arbeiten. Die Umkehr der Polarität könnte einen herkömmlichen Eingang beschädigen. Der Klingelsignalsensor (5-12 V AC/DC oder potentialfreier Taster) kommt damit klar.

Fazit

Die Möglichkeit die eigene Wohnung komplett Schlüssellos zu betreten ist vor allem dann Sinnvoll, wenn Gäste vor der Tür stehen, bevor man selber zu hause ist oder wenn man sich einfach mal ausgeschlossen hat.

In Verbindung mit dem Klingelsignalsensor lässt sich eine automatische Türöffnung realisieren, die einem interessante Möglichkeiten liefern. Hierbei sollte natürlich beachtet werden, dass somit einem Fremden unbeaufsichtigt Zugang gewährt wird. Meine Erfahrung zeigt aber, dass immer jemand den Türöffner betätigt, wenn überall geklingelt wird. Außerdem steht derjenige dann nur im Hausflur und nicht in der Wohnung. Grundsätzlich sollte so was mit den anderen Parteien bzw. dem Vermieter abgesprochen werden.

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2 Comments

  • Mathias

    13. August 2017

    Hi Philipp, ich habe mir etwas ähnliches mit Dporpi realisiert und dann wieder abgebaut.
    Wie Du schon geschrieben hast, macht das in einem Mehrfamilienhaus absolut keinen Sinn.
    Nun habe ich mir ein Wemos WLAN-Relais gebastelt und einen passenden Skript geschrieben.
    Paketpost empfängt sowieso ein Nachbar und wie bereits geschrieben, es mach sowieso jemand auf.
    Aber danke für diesen Beitrag. Er hört sich vielversprechend an
    Gruß,
    Mathias

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  • Marcel

    13. August 2017

    Das war eines der ersten Projekte, welches ich mit Homematic vor etwa fünf Jahren realisiert habe. Jedoch mit dem HM-LC-Sw1 und einem etwas unempfindlicheren Relais dahinter. Das ganze steckt in einem kleinen Gehäuse unter dem Hörer, also leider nicht versteckt.
    Die Einschaltzeit ist auf zwei Sekunden gestellt, wobei ich das bei Zeiten mal um eine halbe bis ganze Sekunde verkürzen werde.

    Funktioniert bisher jedenfalls ohne Ausfälle und ist nicht nur bepackt mit Einkaufstüten praktisch, sondern auch wirklich bequem. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letztes mal den Hausschlüssel genutzt hab. ;-)

    Der Klingelsensor steht seit längerem auf den Plan. Mit einem sicherlich realisierbaren „Klingelcode“ (z. B. 1 mal kurz, 1 mal lang) während einer vordefinierten Tageszeit (hier kommen die Paketdienste alle innerhalb eines 2-Stunden-Fensters) hätte ich damit kein Problem.
    Alternativ könnte ich aber nach Push-Benachrichtigung auch einfach selbst den Öffnen-Befehl vom Handy schicken.

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