Smarte Rollladensteuerung nachrüsten – Schritt für Schritt Anleitung

Ein guter Freund von mir hat sich vor wenigen Wochen ein Eigenheim zugelegt. Es handelt sich dabei um ein sehr helles, freistehendes Haus mit vielen Fenstern. Die Elektroinstallation ist komplett konventionell aufgebaut. Der Vorteil ist, dass bereits jedes Fenster mit elektrischen Rollos ausgestattet ist, die über eine Wippe neben den Fenstern hoch und runter gefahren werden können.

In den Rollladenkästen sind Rohrmotoren verbaut, die auch bei bestehenden Immobilien einfach nachgerüstet werden können. Da wie bereits erwähnt der Strom inklusive Schalter bereits vorhanden ist, ist eine Umrüstung auf eine smarte Steuerung sehr kostengünstig und einfach zu realisieren! Ziel der Automatisierung ist es, dass alle Rollos von zentraler Stelle aus gesteuert werden können. Vorher musste jeden Abend und jeden Morgen eine Runde durch das Haus gedreht werden, um alle Rollos zu bedienen. Das soll komfortabler klappen.

Weitere Aspekte, die einfach nachgerüstet werden können, sind eine Helligkeitssteuerung. So kann in Abhängigkeit von der Jahreszeit das Rollos dann heruntergefahren werden, wenn es wirklich dunkel wird und nicht wie bei einfachen Zeitschaltuhren zu einer fest eingestellten Uhrzeit.

Auch soll ein Zugriff von unterwegs möglich sein, sodass die Rollos aus der Ferne gefahren werden können. Wie das funktioniert, erkläre ich Euch ebenfalls in diesem Artikel.

Mein Freund Sebastian will zudem eine Alarmanlage für sein Haus nachgerüstet bekommen. Auch hier sollen die elektrischen Rollläden eine zentrale Rolle zum Schutz der Außenhülle haben. Zu diesem Punkt werde ich aber einen eigenen Artikel verfassen.

Heute will ich Euch gerne zeigen, was Ihr für eine smarte Rollladensteuerung alles benötigt und wie hoch der Preis pro Fenster ausfällt. Mit dieser Grundlage könnt Ihr die Umrüstung bei Euch Zuhause auch ohne Elektriker sehr schnell realisieren.

Was wird benötigt

Es gibt 2 unterschiedliche Systeme von eQ3 Homematic und Homematic IP. Homematic ist das klassische System mit dem Ihr alle Aufgaben rund um das Thema Hausautomatisierung abdecken könnt. Das System ist sehr komplex und bietet unendliche Möglichkeiten Euer Zuhause smart zu gestalten. Es ist etwas aufwändiger dieses System aufzubauen.

Das neue, etwas einfacher gestaltete System, glänzt durch seinen einfachen Aufbau. Das ganze System wird per Smartphone installiert und programmiert. Über „Rezepte“ können Funktionen wie z.B. die Rollladensteuerung „programmiert“ werden. Ein Fernzugriff ist über die Cloud möglich, daher muss kein eigener VPN-Zugang aufgebaut werden.

Wer mehr über den Unterschied von Homematic und Homematic IP wissen will, der kann sich diesen Artikel hier etwas genauer ansehen.

Homematic

Für die smarte Rollladensteuerung habe ich bei Sebastians Haus Homematic-Komponenten von eQ3 verwendet. Für das System, welche ich verwendet habe, müssen keine neuen Kabel gezogen werden. Die bisher verbauten Schalter werden durch „smarte“ Schalter ersetzt, die dann per Funk arbeiten.

Pro Rollo wird ein Unterputzschalter benötigt. Dieser passt genau in die Unterputzdose und ersetzt den bestehenden Taster. In diesem Gerät steckt die komplette Intelligenz um das Rollo zu steuern.

Für den Betrieb wird zudem eine Zentrale benötigt. Diese heißt bei Homematic CCU2. Es wird pro Haushalt nur eine Zentrale gebraucht. Hierüber werden später die Programme und Einstellungen vorgenommen.

Wer später noch einen Fernzugriff realisieren will, um die Rollos auch von unterwegs aus steuern zu können, benötigt einen Router, über den ein VPN-Tunnel aufgebaut werden kann. Hierfür eignet sich die Fritz! Box am besten.

Homematic IP

Wer lieber auf Homematic IP setzen will, der benötigt diesen Rollladenaktor. Für Homematic IP wird ebenfalls eine Basis benötigt, diese ist etwas günstiger als die CCU2.

Der Fernzugriff erfolgt über den Access Point, sodass kein VPN-Tunnel angelegt werden muss. Die Homematic IP Basis wird einfach an den Router angeschlossen und kann dann über die Cloud mit dem Smartphone kommunizieren.

Kosten

Damit Ihr einen besseren Überblick zu den Kosten bekommt habe ich für deine Systeme die Komponenten zusammengestellt, die Ihr für 12 Rollläden benötigt.

Homematic

12x Funk-Rollladenaktor je ca. 60€     —–>    12x 60€ = 720€

1x CCU2 (Basis) ca. 90€

4x Adapterset (Inhalt 3 Stk.) ca.  3€   —–>   4x 3€ = 12€

1x App für den Fernzugriff. ich verwendet hier gerne die App von Ralf Penzler

pocket control HM
pocket control HM
Entwickler: Ralf Penzler
Preis: 26,99 €

Diese kostet einmalig 27€ und für diesen Preis sehr viele Funktionen.

In Summe kommen wir für 12 Rollos bei Verwendung von Homematic auf einen Preis von ca. 850€.

Das sind pro Fenster ca. 70€. Der Preis pro Fenster sinkt natürlich, wenn Ihr mehr Rollos automatisieren wollt.

Wer etwas handwerkliches Geschick besitzt, kann zusätzlich etwas Geld sparen. Die Geräte gibt es auch als Bausatz. Bei der CCU2 ist sogar schon alles gelötet, hier müssen nur ein paar Schrauben und Kunststoffteile montiert werden. Dafür spart man dann 10€ im Vergleich zum fertigen Gerät.

Bei den Rollladenadaptern ist der Aufwand ebenfalls recht gering, sodass hier keine großen Kenntnisse erforderlich sind. Dabei kann man ca. 15€ pro Aktor sparen.

Die Rechnung mit den Bausätzen sieht dann wie folgt aus:

12x Funk-Rollladenaktor je ca. 45€     —–>    12x 45€ = 540€

1x CCU2 (Basis) ca. 80€

4x Adapterset (Inhalt 3 Stk.) ca.  3€   —–>   4x 3€ = 12€

1x App für den Fernzugriff.

In Summe kommen wir für 12 Rollos bei Verwendung von Homematic auf einen Preis von ca. 660€.

Somit könnt ich nochmal ca. 190€ sparen. Daher empfehle ich allen, die etwas Geschick mitbringen auf die Bausätze von ELV zurückzugreifen!

AmazonELVELV-Bausatz
CCU2 (Basis)Link Link Link
Funk-RollladenaktorLink Link Link
Adapter für SchaltersystemLink Linknicht verfügbar

Homematic IP

12x Funk-Rollladenaktor je ca. 69€     —–>    12x 69€ = 828€

1x Access Point (Basis) ca. 46€

4x Adapterset (Inhalt 3 Stk.) ca.  3€   —–>   4x 3€ = 12€

1x App für den Fernzugriff. Diese ist bei HM IP kostenlos, sodass hier keine Kosten anfallen.

Homematic IP
Homematic IP
Entwickler: eQ-3 AG
Preis: Kostenlos

In Summe kommen wir für 12 Rollos bei Verwendung von Homematic IP auf einen Preis von ca. 890€.

AmazonELVELV-Bausatz
Access Point
LinkLinknicht verfügbar
Funk-Rollladenaktor IP
LinkLinknicht verfügbar
Adapter für SchaltersystemLinkLinknicht verfügbar

Wie Ihr sehen könnt, ist der Preisunterschied von Homematic und Homematic IP nicht besonders groß. Wer nicht nur eine stand-alone Lösung haben möchte und sein Haus weiter automatisieren will, sollte auf jeden Fall zu Homematic greifen. Für alle anderen, die den Komfort schätzen, den Homematic IP bei der Einrichtung bietet und keinen Aufwand bei der Programmierung haben möchten können HM IP kaufen. Hierbei wird der Fernzugriff über die Cloud sichergestellt, sodass Ihr Euch darum ebenfalls nicht kümmern müsst.

Homematic IP Komponenten lassen sich auch an die CCU2 anbinden, sodass eine Erweiterung in jedem Fall möglich ist. Wer zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht weiß, ob er mit Homematic oder Homematic IP weiter machen will, sollte die IP-Komponenten verbauen und an eine CCU2 anlernen, damit ist man dann auf der sicheren Seite!

Installation der Rollladenaktoren

Doch nun will ich Euch zeigen, wie Ihr eine bestehende Installation umrüstet. Der Ausgangszustand ist, dass bereits Motoren in den Rollos verbaut sind, diese mit Strom versorgt werden und jeweils ein Schalter für „Rauf“ und „Runter“ neben dem Fenster montiert ist. Hier sehr Ihr ein Beispiel, wie dies bei Sebastians Haus ausgesehen hat.

Bei Sebastian haben wir Homematic und nicht Homematic IP Geräte verwendet. Solltet Ihr auf IP gesetzt haben, ist das nicht weiter schlimm, da der Einbau komplett gleich ist.

Zuerst solltet Ihr unbedingt alle Spannungsfrei schalten! Das ist sehr wichtig, da wir an 230V Spannung arbeiten. Dies kann tödlich enden. Daher solltet Ihr niemals unter Spannung arbeiten!!!

Zuerst wird die Abdeckung vom Schalter entfernt. Das könnt ihr mit einem Schraubendreher oder mit einem anderen flachen Gegenstand erledigen. Achtet darauf, dass die Tapete dabei nicht beschädigt wird.

Es kommt nun der eigentliche Schalter zum Vorscheinen. Dieser ist in der Regel mit 2 Schrauben geklemmt oder in der UP-Dose befestigt. Diese beiden Schrauben müssen nun gelöst werden. Es sollten nun 3 Kabel angeschlossen sein. „Rauf“, „Runter“ und „L“.

L ist dabei die Phase. Hier kommt die Spannung an. Mit den Schaltern wird nun gewählt, ob der Motor links oder rechts dreht. Wichtig ist auch, dass ein blauer Draht vorhanden ist. Dieser wird zwar bei einer konventionellen Installation nicht benötigt, ist aber für den Betrieb unseres „intelligenten“ Schalter zwingend erforderlich, da der Mikroprozessor im Aktor mit Strom versorgt werden muss. Damit das geschehen kann, muss der Stromkreis geschlossen werden. Dazu wird „L“ und „N“ (blau) an den Aktor angeschlossen.

Auf dem Bild ist sind die 4 Klemmen des Aktors zu sehen. An der Klemme N wird der blaue Draht angeschlossen. An die Klemme L wird die Phase angeschlossen, die zuvor auch auf dem Schalter abgelegt war.

An der Klemme „1“ wird das Kabel angeschlossen, dass zuvor auf dem Schalter für das herunterfahren verantwortlich gewesen ist. Das letzte Kabel wird nun auf die Klemme „2“ gelegt.

Solltet Ihr keinen Neutralleiter „N“ haben, müsst Ihr schauen, ob dieser evtl. von einem anderen Schalter oder einer anderen Steckdose hochgezogen werden kann. Im Zweifel sprecht bitte Euren Elektriker an!

Nun wird der neue Schalter wieder in die Dose eingesetzt und verschraubt.

Nun werden noch der passende Adapter und der Rahmen wieder montiert. Bei Sebastian mussten wir zudem noch neue Tasterelemente bestellen, da die Homematic Komponenten keine Doppelwippen haben.

Nun muss der Schalter noch an der CCU2 angelernt werden. Wie die CCU2 eingerichtet wird, haben ich Euch bereits ausführlich in den Einsteiger-Tutorials erklärt. Mit einem langen Druck auf die config-Taste (ca. 5 Sek.) kann der Vorgang zum Anlernen angestoßen werden.

Solltet Ihr Homematic IP gesetzt haben, wird das Anlernen über die App gemacht. Es muss lediglich der Barcode gescannt werden. Danach kann das Gerät über die App eingerichtet werden.

Fernzugriff

Homematic IP: Der Fernzugriff erfolgt bei Homematic IP wie bereits erwähnt über die App. Da der Dienst cloudbastiert ist, müsst Ihr keinen VPN-Tunnel oder ähnliches aufbauen. Die Einrichtung ist daher kinderleicht. Der Access-Point muss mit Eurem Router verbunden sein und in der App eingerichtet sein. Nachdem diese Schritte vollzogen worden sind, dann Eure Installation auch aus der Ferne gesteuert werden.

Homematic: Bei Homematic müsst Ihr Euch selber um die Freigabe kümmern. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der kostenpflichtigen Dienst CloudMatic, der bereits in der CCU2 verankert ist, kann für den Zugriff genutzt werden.

Eleganter finde ich aber den Einsatz eines VPN-Tunnels, der über die Fritz! Box hergestellt wird. Die Einrichtung habe ich Euch hier genau beschrieben.

Für die Bedienung könnt Ihr dann auf die bereits oben erwähnte App Pocket Control oder auf Home setzen. Über Pocket Control habe ich Euch hier einiges geschrieben.

Mögliche Erweiterungen

Ich habe mit Sebastian schon über mögliche Erweiterungen gesprochen. Es soll eine zusätzliche Fernbedienung eingebunden werden, damit die Rollos alle mit nur einer Taste heruntergefahren werden können. Diese Funktion soll für die untere und für die obere Etage separat möglich sein.

Eine weitere Option ist, dass die Rollos nach der Helligkeit automatisch verfahren. Dafür haben wir schon die nötige Hardware beschafft. Diese muss nur noch eingebunden und in der Software implementiert werden.

Wie das Ganze funktioniert habe ich Euch schon in diesem Beitrag beschrieben. Ich steuer damit meine Rollos im Schlafzimmer, sodass diese automatisch bei eintreten der Dunkelheit herunter gefahren werden. So wird bei eingeschaltetem Licht automatisch ein Sichtschutz erzeugt. Auch werden meine Rollos je nach Tag automatisch wieder hochgefahren.

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6 Comments

  • _nico

    30. August 2017

    Hallo Sebastian, danke für den ausführlichen Artikel.

    Ich habe eine Frage zum Satz: „Bei Sebastian mussten wir zudem noch neue Tasterelemente bestellen, da die Homematic Komponenten keine Doppelwippen haben.“.

    Wenn ich dich richtig verstehe, habe ich nach der Umsetzung dann nur noch eine Wippe und kann händisch nur noch die Rollläden komplett zu oder komplett auf machen? Händisch geht es dann nicht mehr nur 3/4 zu oder nur Schlitze offen zu lassen?

    Ist so etwas über „smart“ in Homematic / Webinterface überhaupt abbildbar? Wie lernt man dort „komplett zu“ / „komplett auf“ / „3/4 zu“ etc. an?

    Gruß von loggn.de, Nico

    Reply
    • Sebastian

      Sebastian

      15. August 2017

      Hallo Michael,

      Der Rollladenaktor ist, wie der Name schon sagt, für Rollos vorgesehen. Hier sind die Funktionen wie hoch/runter, Wendezeit usw.. einzustellen.
      Der UP-Funk-Schaltaktor ist für Beleuchtung oder andere elektrische Verbraucher, die mit einem konventionellen Schalter bedient werden.

      Reply
  • Stephan

    11. August 2017

    Hallo,
    ich denke, dass in vielen Fällen, insbesondere bei älteren Installationen, bei der oben beschriebenen Vorinstallation kein Neutralleiter mit verlegt wurde. Und wenn kein Leerohr vorhanden ist, ist man schon zweiter Sieger – die Sache wird dann nämlich schnell sehr aufwändig. Eine Lösung wäre, wenn ausreichend Platz im Rollokasten ist, den Funk-Jalousieaktor 1fach (Unterputzmontage) mit einem Batterie betriebenen Funktaster (Direktkopplung, falls die CCU mal ausfällt) einzusetzen.

    Reply
    • Sebastian

      Sebastian

      11. August 2017

      Hallo Stephan, interessante Idee! Ich weiß leider nicht ganz genau wie du das mit dem Funktaster umsetzen willst. Könntest du das etwas genauer beschreiben?

      Reply
      • Stephan

        12. August 2017

        Hallo Sebastian,
        bei der oben beschriebenen Ausgangssituation ist der Funktaster natürlich nicht notwendig. Es können die Vorhandenen benutzt werden. Er wäre eine Alternative für das Installieren einer Festverdrahtung bei einer Umrüstung auf E-Rollos.
        Allerdings könnte man mit dem Taster, von zentraler Stelle aus, alle Rollos eines Raumes oder sogar des ganzen Hauses manuell hoch- und herunterfahren ;-)
        Ich selbst habe deine „Version“ installiert. Zusätzlich nutze ich eine individuelle sprachgeführte Gruppen- und Einzelsteuerung per Alexa und ioBroker :-)

        Link zur Bedienungsanleitung des Tasters:

        https://files.elv.com/Assets/Produkte/10/1030/103076/Downloads/103076_HM_PB_2_WM55_UM.pdf

        (Bedienmodus s. S. 18)

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