Smart Lock für Homematic: KeyMatic – Türschloss elektronisch Verriegeln

Neben bunten Lampen und schaltbaren Steckdosen bietet die Smarthome-Welt mittlerweile immer mehr Möglichkeiten. Nicht wirklich neu sind dabei die sogenannten Smart Locks. Mit deren Hilfe lässt sich jede herkömmliche Tür über einen elektrischen Antrieb öffnen und verriegeln. Die Auswahl an Produkten ist wie immer recht umfangreich.

Als Benutzer von Homematic habe ich natürlich das Interesse, dass auch das Smart Lock problemlos in mein Smarthome eingebunden ist, daher möchte ich heute das Smart Lock KeyMatic für Homematic vorstellen.

Grundsätzliches Funktionsprinzip

Um eine einfache Nachrüstung zu ermöglichen, wird das Smart Lock einfach auf der Innenseite der Tür auf den Schließzylinder geschraubt. Auf der Innenseite muss ein Schlüssel stecken bleiben, welcher ab dann von dem aufgesetzten Antrieb betätigt wird. Optisch ist es nicht die schönste Lösung, aber dafür ist es relativ günstig und es lässt sich einfach nachrüsten.

Die Bedienung kann ab dann per Smartphone, per Fernbedienung oder auch über automatische Regeln durchgeführt werden. Somit könnte sich zum Beispiel die Tür abends verriegeln, sobald alle Bewohner im Bett sind. Die Entriegelung könnte erfolgen, wenn in einer bestimmten Zeitspanne das Licht im Bad angeht.

Die Energieversorgung erfolgt über Batterien. Sollten diese einmal leer sein, kann das Schloss weiterhin von beiden Seiten per Hand bedient werden (sofern der Zylinder dies auch unterstützt!). Es empfiehlt sich grundsätzlich immer einen Schlüssel dabei zu haben oder wenigstens einen beim Nachbarn zu deponieren.

Voraussetzungen für den Betrieb einer KeyMatic

Für die Montage der KeyMatic ist es notwendig, dass der Schließzylinder auf der Innenseite etwa 5-8 mm aus der Tür heraussteht. Sollte das nicht der Fall ein, muss ein neuer Schließzylinder angeschafft werden. Ein halbwegs vernünftiger Zylinder kann ab ca. 30 € erworben werden. Wichtig ist dabei, dass es sich um einen Zylinder handelt, der sich von beiden Seiten gleichzeitig mit einem Schlüssel öffnen lässt!!!

Letzteres gilt auch für bestehende Zylinder. Da permanent ein Schlüssel in der Innenseite der Tür steckt, muss es sich um einen Zylinder handeln, der sich trotzdem auch von außen öffnen lässt. Andernfalls würde sich die Tür im Fehlerfall nicht mehr öffnen lassen.




Ein weiteres sehr wichtiges Kriterium ist, dass das Schloss leichtgängig ist. Wenn es also üblich ist, dass zum betätigen des Schließzylinders viel Kraft benötigt wird oder ein gewisser Druck gegen die Tür notwendig ist, sollte die KeyMatic nicht verwendet werden.

Vermessen des Schließzylinders

Sollte der alte Schließzylinder ersetzt werden müssen, muss genau ermittelt werden, welcher in Zukunft benötigt wird. Dazu werden einfach die Abstände ab der Mitte des drehbaren Kerns zu den beiden Seiten gemessen. Ob außen oder innen ist dabei theoretisch egal, da der Schließzylinder auch andersherum montiert werden kann. Folgendes Bild wie der Zylinder vermessen wird. Auf dem Foto ist schon der neue Zylinder inklusive KeyMatic Halterung montiert.

Die Abmessungen für den Teil des Zylinders, der nach außen zeigt, können bei dem neuen Zylinder von dem alten übernommen werden. Es ist darauf zu achten, dass der Zylinder auf der Außenseite nicht übersteht, dies würde einen Einbruch stark vereinfachen.

Auf der Innenseite sollte der neue Zylinder etwa 5-10 mm überstehen. 10 mm ist genau die Dicke des Montagerings der KeyMatic. Sollte zu dem ermittelten Wert kein Zylinder verfügbar sein, einfach ein wenig auf- oder abrunden und den nächst besseren bestellen. Ich würde eher ein wenig aufrunden, da dies den stabilen Sitz der KeyMatic nicht beeinflusst. Im Notfall muss der Schlüssel am Griff etwas gekürzt werden, aber in der Regel passt alles. Auf dem Foto sieht man auch, dass ich aufrunden musste und der Zylinder nun etwas länger ist als eigentlich nötig.

Wird also für außen der Wert 30 mm und für innen der Wert 43,3 mm ermittelt, sollte nach „Schließzylinder 30/45“ oder „Schließzylinder 45/30“ gesucht werden. Wie gesagt, er kann in beide Richtungen eingeschoben werden.

Gemessen wird am besten mit einem Zollstock. Wer damit Schwierigkeiten hat, kann sich auch ein überteuertes Meßgerät kaufen (z.B. das hier: http://amzn.to/2qjwvvP). Grundsätzlich reicht aber auch ein Lineal, Geodreieck oder Zollstock.

Einbau des neuen Schließzylinders

Die Montage ist supereinfach. Dazu wird einfach die Schraube im inneren der Tür herausgedreht. Es ist die Schraube unterhalb des Riegels:

Anschließend wird der Schlüssel eingesteckt und etwa um 20° gedreht. Ob links oder rechts ist davon abhängig, wie er eingebaut wurde, also einfach probieren. Dabei behutsam mit dem Schlüssel an dem Zylinder ziehen. In den meisten Fällen ist der Zylinder ohne die Schraube schon sehr lose und am wackeln. Sollte er sehr straff sitzen, empfiehlt es sich, von der anderen Seite zu schieben. Der Schlüssel ist kein Werkzeug ;)

Der neue Schließzylinder wird auf gleichem Weg eingebaut. Also Schlüssel rein, drehen bis der Riegel nicht mehr blockiert und dann in die Tür schieben. Anschließend noch die Schraube rein – fertig.

Der überstehende Teil muss dabei natürlich nach innen Zeigen.

Das folgende Bild zeigt nochmal den vorher/nachher Vergleich:

Wie man sieht wird der Schlüssel nun Horizontal eingeführt. Das liegt einfach an dem Zylinder, für den ich mich entschieden habe. In diesem Fall ist es ein EC550 von Abus.

Montage der KeyMatic

Nachdem der neue Zylinder montiert ist, wird nun dieses schwarze Teil über den Zylinder geschoben. Eventuell muss man das Teil etwas auseinander ziehen. Anschließend werden die beiden Schrauben vorsichtig festgezogen.

Jetzt wird ein Schlüssel in das Schloss gesteckt und die KeyMatic darüber gesetzt. Bitte jetzt nicht rumspielen, sondern erst weiterlesen…. Links und rechts werden jetzt die beiden mitgelieferten Schräubchen seitlich durch die KeyMatic in das schwarze Teil geschraubt. Auch hier wieder behutsam Arbeiten.

Als nächstes muss eine Initialisierung durchgeführt werden.

Inbetriebnahme

Während der Initialisierung passt sich die KeyMatic an die individuellen Positionen des jeweiligen Schlosses an (Stichwort: Endpunkte).

Nach dem Auspacken und Einlegen der Batterien zeigt die KeyMatic auf dem Display ein rotierendes Symbol an. Sollte dieser Zeitpunkt schon verpasst worden sein, einfach den kleinen Knopf oben links für ein paar Sekunden Drücken. Das rotierende Symbol zeigt an, dass sich die KeyMatic im ersten von vier Schritten der Initialisierung befindet. Die Tür sollte ab jetzt offen stehen.

1. Schritt: Drehrichtung

Je nach Montage kann sich die Drehrichtung unterscheiden. Die KeyMatic will in diesem Schritt wissen, in welche Richtung zum VERRIEGELN gedreht werden muss. Ein rechtsrum rotierendes Symbol bedeutet rechts ;) Mit den beiden mittleren Knöpfen kann die Richtung verstellt werden. Ein betätigen des kleinen Knopfes bestätigt die Auswahl.

2. Schritt: Position entriegelt / Tür geschlossen

Als nächstes fährt der Antrieb die Endpunkte an, die Falle wird dabei komplett eingezogen. Zum Abschluss bleibt der Motor in der Position stehen, in welcher die Tür entriegelt ist. Diese kann jetzt manuell mit den Verriegeln und Entriegeln Tasten angepasst werden, allerdings nur in 90 Grad Schritten. In meinem Fall war die Falle standardmäßig ein wenig eingezogen. Ich musste also 90 Grad nach rechts korrigieren (in Richtung verschließen). Dazu musste einmal „Verriegeln“ betätigt werden.

3. Schritt: Position verriegelt

Jetzt fährt der Motor auf die Position, in der das Schloss verriegelt ist. Sollte die Position nicht korrekt sein, kann sie jetzt manuell mit dem Knöpfen für Verriegeln und Entriegeln angepasst werden, allerdings nur in 90 Grad Schritten. Wenn die Position korrekt eingestellt ist, den kleinen Knopf drücken.

 4. Schritt Haltezeit

Als letztes wird die Zeit eingestellt, wie lange die Falle eingezogen werden soll (wie lange die Türklinke gedrückt wird), bis die Tür geöffnet ist. Längere Zeiten erhöhen den Stromverbrauch. Ein Druck auf Entriegeln, stellt eine lange Haltezeit ein (etwa 2,5 Sekunden). Ein Druck auf die Taste Verriegeln stellt eine kurze Haltezeit ein. Man kann es aber auch auf default lassen – einfach ausprobieren. Nach Abschluss wird die kleine Taste erneut gedrückt. Die Initialisierung ist damit abgeschlossen.

Diese Prozedur muss übrigens erneut durchgeführt werden, wenn der Batteriewechsel nicht schnell durchgeführt wird. Aber das geht recht flott, wenn man es einmal gemacht hat.

Das Handbuch liefert etwas mehr und genauere Informationen. Es sollte unbedingt gelesen werden!

Varianten der KeyMatic

Die KeyMatic wird in Weiss und in Silber angeboten. Meine Fotos zeigen die silberne Variante. Außerdem wird sie auch im Set mit einem Funk Handsender angeboten. In Verbindung mit den Funksender kann die Tür dann auch über eine verschlüsselte Übertragung ohne die App und ohne einen Schlüssel geöffnet werden.

KeyMatic VarianteAmazonELV
KeyMatic Set mit Fernbedienung Weisslink link
KeyMatic Set mit Fernbedienung Silberlink link
KeyMatic Fernbedienunglink link

Ideen zu Homematic Programmen

Wir wären nicht Homematic User, wenn es uns reichen würde, dass sich die Tür nun per App öffnen lässt… Da muss mehr her.

Meine erste Idee: Wenn ich abends ins Bett gehe, drücke ich immer lange auf den Funk-Wandsender am Bett, um alle Lampen auszuschalten. Neuerdings wird dabei auch die Tür verriegelt :) Zum Entriegeln verwende ich das Licht im Bad. Wenn ich also morgens ins Bad gehe, wird die Tür entriegelt, so dass ich zum verlassen der Wohnung wie gewohnt die Türklinke verwenden kann.




Hierbei sollte beachtet werden, dass alle Gewerke die in der Lage sind, die Tür zu entriegeln, den gesicherten Übertragungsmodus verwenden. Ansonsten könnte ein Angreifer mit entprechendem know-how die Tür sehr leicht öffnen.

Zweite Idee: Man könnte draußen einen Schalter positionieren, der nur verriegelt, würde im Zeitdruck das lästige abschließen ersparen. Alternativ könnte man dazu auch über den Türkontakt, eine Verzögerung und ein bestimmtes Zeitfenster gehen.

Wer noch mehr tolle Ideen hat: Einfach einen Kommentar schreiben, ich nehme das dann gerne hier auf.

Ein paar Gedanken zur Sicherheit

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig paranoid bin, also spielt das Thema Sicherheit natürlich eine wichtige Rolle. Auch wenn der durchschnittliche Einbrecher wahrscheinlich das Brecheisen anstelle eines Notebooks verwenden wird, sollte die Sicherheit nicht ganz außer acht gelassen werden.

Leider gibt es viele Hersteller von Smart Locks, die keinen Gedanken an Sicherheit verschwenden. Einige verschicken einfach das Passwort per Bluetooth. Andere verschlüsseln es wenigstens vorher, aber immer mit dem gleichen Key. Somit ist der übertragene Wert immer gleich und das Schloss kann mit einem replay Angriff geöffnet werden. Dazu gibt es einen interessanten Artikel bei Golem. Leider wurde das KeyMatic nicht von den Hackern analysiert. Dennoch unterstützt das BidCos Protokoll von eQ-3 eine verschlüsselte Übertragung welche auch gegen replay Angriffe gesichert ist. Der einzig mir bekannte Angriff funktioniert nur, wenn der System-Sicherheitsschlüssel in der CCU2 nicht durch den Benutzer geändert wurde. Also unbedingt ändern!

Fazit

Nach ein paar Tagen Benutzung finde ich die KeyMatic schon ganz witzig, aber es ändert natürlich nicht mein Leben. Ein Schlüsselbund habe ich weiterhin dabei und zum Öffnen der Tür muss ich irgendwas in die Hand nehmen. Damit kommt nun der Wunsch nach einer biometrischen Zugangskontrolle. Aber das muss noch ein wenig warten.

Praktisch finde ich auch, dass die Tür wesentlich öfter verriegelt ist. Das war früher nicht der Fall. Durch die automatischen Öffnungskriterien habe ich auch keine Komforteinbußen.

Von der Lautstärke her ist es noch ok, aber schon deutlich hörbar, jedenfalls von innen. Die Optik ist ganz ok, kann aber natürlich nicht mit der Konkurrenz mithalten, dafür ist es perfekt integriert und keine dämliche stand-alone-Lösung wie z.B. Danaloc, Nuki Combo oder das HomeTec Pro von Abus. Wobei Abus mittlerweile auch einiges im Bereich Smarthome anbietet..

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