Unterschiedliche Smarthome Systeme mit Qivicon bzw. Magenta SmartHome verbinden

Jeder der sich mit dem Thema Smarthome beschäftigt, wird festgestellt haben dass die Produktvielfalt sehr hoch ist und sie permanent weiter steigt. Mittlerweile gibt es zahlreiche Hersteller, die beispielsweise intelligente Zwischenstecker oder intelligente Leuchten anbieten. Solange alle Komponenten von einem Hersteller stammen, lassen Sie sich auch wunderbar im Zusammenspiel benutzen. Wird aber angefangen, die Hersteller zu vermischen, wird es kompliziert. An diesem Punkt setzt Qivicon bzw. Magenta SmartHome an.

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Es gibt ein paar reine Software Lösungen die frei zur Verfügung stehen, jedoch verfolgt Qivicon einen anderen Ansatz. Besonders interessant ist dabei die Fähigkeit des Systems, diverse Funkkomponenten direkt über nur eine Zentrale anzusteuern. Es wird also für die meisten Systeme keine eigene Zentrale benötigt.

Was steckt hinter Qivicon und was hat die Telekom damit zu tun?

Hinter Qivicon steckt ein Zusammenschluss verschiedener Hersteller mit dem Ziel die verschiedenen SmartHome Technologien zu vereinen. Etabliert wurde Qivicon von der Deutschen Telekom in Zusammenarbeit mit den Firmen EnBW, eQ-3, Miele und Samsung. Mittlerweile haben sich viele weitere Hersteller angeschlossen und Ihre Produkte in die Qivicon Plattform integriert.

Für den Endanwender steht somit eine sehr große Auswahl an verschiedensten Produkten von verschiedenen Herstellern zur Verfügung – und das beste: alles funktioniert im Zusammenspiel und mit nur einer App.

Die Telekom stellt als Gründer von Qivicon die notwendigen Clouddienste zur Verfügung, um das Zuhause auch von Unterwegs aus steuern zu können. Die zugehörige Smartphone App wird ebenfalls von der Telekom freigegeben. Das Gesamtpaket wird dem Privatkunden unter dem Namen „Magenta SmartHome“ angeboten. Zum Betrieb des Dienstes wird allerdings ein Abo benötigt. Die Hardwarekosten für die Homebase (=Zentrale) ist in dem monatlichem Preis bzw. in der geringen Anmeldegebühr enthalten. Die Aktuellen Preise finden sich direkt unter smarthome.de.

Wie funktioniert das System

qivicon-home-base-2-0-frontEin sehr wesentlicher Unterschied zu reinen Softwarelösungen wie openHAB oder iobroker ist, dass die Homebase alle notwendigen Funkschnittstellen implementiert hat. Dazu gehört auch die eigentlich geheime Schnittstelle von Homematic und Homematic IP.

Im Klartext bedeutet das, dass für viele Systeme nicht die jeweilige Zentrale gekauft werden muss. Es wird also keine CCU2, kein Homematic IP Access Point und kein Lightify Gateway benötigt. Die Komponenten werden direkt an die Qivicon Homebase angelernt. Im Falle von Philips Hue wird leider doch die Zentrale benötigt.

Der Anlernvorgang erfolgt komfortabel in der Magenta SmartHome Smartphone App. Die App ist verfügbar für Android und iOS:

Magenta SmartHome
Preis: Kostenlos
Magenta SmartHome
Preis: Kostenlos

Die gesamte Konfiguration des Systems erfolgt übrigens auch in der Smartphone App. Dadurch sind die Möglichkeiten leider ein wenig limitierter als zum Beispiel in der CCU2 aber es ist dafür wesentlich einfacher zu lernen.

Was kann Magenta SmartHome

Technisch gesehen besteht Magenta SmartHome aus der Homebase, der Smartphone App und der Cloud im Hintergrund. Die einzelnen Komponenten (Schalter, Lichter…) werden von „fremden“ Herstellern angeboten.

Die Homebase ist mit verschiedenen Funkschnittstellen ausgerüstet, wodurch die Anbindung an verschiedenste Systeme möglich wird. Konkret ist die folgende Funk-Hardware verbaut:

  • HomeMatic / HomeMatic IP 868.3 MHz/869.525 MHz
  • ZigBeePro / Thread IEEE802.15.4, 2.4GHz
  • DECT ULE EN300175-2/3/4/5/7, 1.9GHz  (DECT Ultra Low Energy)
  • Bluetooth Smart Ready IEEE802.15.1 Bluetooth 4.1, 2.4GHz
  • WLAN IEEE802.11b/g/n,2.4GHz

Die Anbindung an das Heimnetzwerk erfolgt über eine herkömmliche RJ45 Ethernet Buchse oder via WLAN. Das Kabel wird mitgeliefert. Zusätzlich befinden sich auf der Rückseite zwei USB2.0 Ports. An diese lassen sich Funksticks oder 3G-Sticks anschließen. Mit einem 3G-Stick würde sich das SmartHome auch dann steuern lassen, wenn das Internet über die Festnetzleitung ausgefallen ist. Somit könnte die Alarmanlage den Alarm auch dann rausschicken, wenn der Einbrecher zuvor die Festnetzleitung gekappt hat. Über USB-Funksticks könnten sich in Zukunft weitere Technologien nachrüsten lassen.

Über die App lassen sich nun verschiedene Komponenten, wie z.B. Türkontakte, Hue Lampen oder Heizkörperthermostate anlernen. Eine Lampe kann ab jetzt einfach per App gesteuert werden oder es lassen sich vorgefertigte Programme einrichten.

Zu den vorgefertigten Programmen gehören:

  • Heizungssteuerung
  • Alarmsystem
  • Haushüter (=Anwesenheitssimulation)
  • Videoüberwachung (Speicherung der Videoaufnahmen in der MagentaCLOUD)

Zusätzlich lassen sich sogenannte Situationen einrichten. Unter Situationen versteht das System letztendlich einfache Programmabläufe. Die App bietet dem Anwender eine umfangreiche Liste an Beispielprogrammen an, die ganz einfach aktiviert werden können. Für jede vorgefertigte Situation wird angezeigt welche Komponenten für diese jeweilige Situation benötigt werden. Selbstverständlich können auch eigene Situationen definiert werden.

Die Beispielsituationen sind die folgende Kategorien unterteilt:

  • Ambiente & Licht
  • Rollläden & Sonnenblenden
  • Musik & Fernsehen
  • Warnungen & Benachrichtigungen
  • Klima & Komfort

Um ein Gefühl dafür zu bekommen – Hinter Ambiente & Licht verbergen sich folgende Situationen:

qivicon-licht

Wird die z.B. die Situation „Raum erhellen“ ausgewählt, zeigt die App eine kurze Beschreibung und gibt Informationen darüber, ob alle Geräte verfügbar sind. Der folgende Screenshot zeigt, dass noch kein Lichtsensor und keine Lampe angelernt ist. Der Tür-/Fensterkontakt ist verfügbar. Als Lampe kann ein Zwischenstecker, ein Beliebiger Schaltaktor (z.B. HomeMatic Unterputzschalter) oder auch eine Philips Hue Lampe verwendet werden.

qivicon-situation

Nach dem Einrichten der Situation ist sie direkt einsatzbereit und das Licht geht dann an, wenn jemand nach Hause kommt und es bereits dunkel ist. Das Licht würde also nicht Tagsüber eingeschaltet werden. Über benutzerdefinierte Situationen lassen sich diese Entscheidungskriterien noch viel weiter verfeinern – falls man Spaß daran hat.

Kompatible Produkte

In der folgenden Liste habe ich alle Produkte zusammengestellt, die mit Qivicon bzw. Magenta SmartHome laut der App bzw. Webseite kompatibel sind. Da sich die Produktvielfalt ständig verändert, kann ich nicht garantieren, dass die Liste wirklich ALLE Produkte enthält. Wer sich bei einem bestimmten Produkt nicht sicher ist, sollte vorher bei Qivicon nachschauen.

Philips Hue
Osram Lightify
Homematic
Homematic IP
Sonos
Miele
netatmo
D-Link
Centralite
Bitron Video / Home

Fazit

Ausnahmsweise fällt mir das Urteil sehr schwer. Ich war sofort beeindruckt von der Menge an Produkten, die zu Qivicon kompatibel sind. Auch die Bedienung der App ist äußerst komfortabel und das Einrichten von Programmabläufen (Situationen) klappt erstaunlich einfach und sollte somit auch kein Problem für wenig erfahrene Anwender darstellen.

Sehr schade ist natürlich, dass der Dienst monatlich Geld kostet und die Cloud zwingend erforderlich ist. Wer unabhängig von „der Cloud“ sein will, hat eigentlich nur die Möglichkeit Homematic zu verwenden. Darüber finden sich bereits viele Artikel in unserem Blog. Wer nicht basteln möchte und nur ein paar Lichter Schalten möchte, ist sicher mit Homematic IP besser beraten. Bei Homematic IP wird der Clouddienst kostenlos angeboten. Wer aber möchte, dass bei starkem Wind die Beleuchtungsfarbe, die Waschmaschine, der Ofen und die Außensirene in irgendeiner Form reagieren soll, der wird mit Magenta SmartHome sehr glücklich werden.

Wen also die monatlichen Kosten und die Notwendigkeit der Cloud nicht stören, sollte sich Magenta Smarthome näher anschauen. Angeblich kann das System auch in einigen Telekom Shops getestet werden. Aus meiner Sicht ist das System technisch sehr ausgereift und es gibt nichts daran auszusetzen. Man sollte auch bedenken, dass ohne die kommerzielle Cloud, ein Zugriff per Smartphone App nicht ohne weiteres möglich ist und erweiterte IT-Kenntnisse erfordert.

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One Comments

  • wuscheltuschel

    14. Januar 2017

    sehr guter Artikel, eine schönes Austellung der verwendbaren Artikel.

    Danke schön.

    Reply

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