Homematic: CCU2 auf einen Raspberry Pi auslagern – RaspberryMatic

Wer Homematic schon etwas länger im Einsatz hat, weiß, dass die CCU2 nicht die schnellste Hardware beherbergt. Gerade wer mehr Programme und Geräte nutzt, kennt die doch länger werdenden Wartezeiten zwischen den Aktionen. eQ-3 hat schon vor längerer Zeit angekündigt, dass der Code hierfür offen gelegt werden soll, damit Entwickler diesen nutzen können.

raspymatic-pi

Ich verfolge das Geschehen schon etwas länger, war aber bisher einfach zu faul, mich darum zu kümmern. Da die Installation aber sehr einfach geworden ist, es steht ein Image-File zur Verfügung, habe ich mich dem Thema erneut gewidmet. Doch bevor wir mit der Installation loslegen, möchte ich Euch hierzu ein paar Hintergründe erklären.

Motivation – Warum einen Raspberry Pi nutzen?

Wie schon eingangs erläutert, ist die CCU2 nicht gerade ein hoch performantes System, dass man sich für diesen Zweck vorstellen kann. Bei einer größeren Anzahl an Datenpunkten mach das Gerät sehr schnell die Grätsche und verlangsamt die Arbeit ungemein. Das liegt einfach an der Hardware. Diese ist schon etwas in die Tage gekommen. Jeder Raspberry ist hier mit wesentlich mehr Leistung und Arbeitsspeicher ausgestattet, sodass sich der kleine Computer dafür ideal anbietet.

raspymatic-pi-modul-gestekt

Die Entwickler haben sich zum Ziel erklärt, den gesamten Funktionsumfang der CCU2 auf den Raspberry Pi zu übertragen. Aktuell läuft das System auf dem Raspberry Pi2 und mit ein paar Einschränkungen auch auf dem Raspberry Pi3

Leider läuft aktuell kein Homematic IP auf dem Raspberry Pi3. Ansonsten sieht das System nach der einfachen Installation genauso aus, wie Ihr es von Eurer CCU2 kennt.

Für wen ist RaspberryMatic geeignet? 

Klar, für jeden der gerne Bastelt, der Aufwand hierbei ist aber wie schon gesagt recht gering, es muss kein Code in schwarze Fenster gehackt werden, um den Pi zum Laufen zu bringen. Wer gerne viel ausprobiert und die langen Wartezeiten von der CCU2 satt hat, für den könnte das Projekt sehr interessant sein.

Der Vorteil ist, dass die Daten der CCU2 übernommen werden können, sodass Ihr nicht bei 0 anfangen müsst. Alle Geräte, Programme und Verknüpfungen können von der CCU2 übernommen werden.

Was brauche ich dafür?

Bezeichnung Amazon ELV-Shop ELV-Bausatz
4 GB SD-Karte Link Link nicht verfügbar
Funkmodul Raspberry Pi nicht verfügbar nicht verfügbar Bausatz
Raspberry Pi 2 Link Link nicht verfügbar
Raspberry Pi3 Link Link nicht verfügbar

Für die Software benötigen wir eine schnelle microSD Karte. Ich habe mir dazu einen 4 GB Karte bestellt. Die Karte darf natürlich auch größer sein!

Ein Netzteil mit 2,5A sorgt für den stabilen Betrieb. Ein Gehäuse und ein Netzwerkkabel werden auch benötigt.

Bausatz:

Der Bausatz besteht auf einer handvoll Teile, die in kurzer Zeit zusammengelötet sind. Solltet Ihr keinen Lötkolben haben, oder einfach keine Lust haben, zu löten, dann schreibt mich einfach an. Ich helfe Euch hier gerne.

raspymatic-pi-modul

Mit einem geeigneten Lötkolben sind die Teile in wenigen Minuten verbunden. Die Sockelleiste wird nun noch auf den Raspberry Pi gesteckt (wie im 2. Bild zu sehen). Das waren die Schritte, die wird bei der Hardware-Installation bewältigen mussten. Nun können wir zur Software übergehen.

Installation:

Zuerst müssen wir die aktuelle Version von RaspberryMatic herunterladen. Das Image bekommen wir hier her: https://github.com/jens-maus/RaspberryMatic/releases/latest

Das Image ist für den Pi2 und Pi3 geeignet!

Um das gerade heruntergeladene Image auf unsere SD-Karte zu bekommen, verwenden wir die Software Win32 Disk Imager (Windows) oder ApplePi-Baker (MacOS).

homematic-raspymatic-installation

Nun starten wir Win32 Disk Imager. Falls dabei Probleme auftreten sollten, bitte als Administrator ausführen!

Bei Device wählen wir unsere microSD-Karte aus und mit dem Ordnersymbol navigieren wir zum Image. Über die Schaltfläche „Write“ wird der Vorgang gestartet.

raspberry-pi-homematicNachdem die Karte geschrieben wurde, können wir diese in den Pi einsetzen. Jetzt solltet Ihr zuerst das Netzwerkkabel einstecken und dann den Stecker für die Spannungsversorgung.

Ihr braucht dazu keinen angeschlossenen Monitor und auch keine Tastatur. Der Bootvorgang dauert wenige Sekunden.

Danach könnt Ihr den Pi entweder über http://IP-ADRESSE-DES-PIS/ oder aber über http://homematic-raspi/ im Netzwerk erreichen.

Übernahme der Daten aus der CCU2:

Zuerst müsst Ihr Euch auf Eurer bestehenden CCU2 einloggen. Die Firmware-Version der CCU2 darf dabei aber nicht höher sein als die der RaspberryMatic.

Um ein Backup der CCU2 zu erstellen navigiert Ihr zu Einstellungen –> Systemsteuerung –> Sicherheit –> Backup

Dort klickt Ihr auf den Menüpunkt „Backup erstellen“. Dieser Vorgang dauert wenige Minuten. Dieses Backup legen wir an einem sicheren Ort ab, um es später wieder in die CCU2 einspielen zu können. Hier sind auch alle zusätzlich installierten Programme wie z.B. CUx-Deamon enthalten.

Da diese zusätzlichen Module leider von der RaspberryMatic aus dem Backup nicht verarbeitet werden können, müssen wir nun ein 2. Backup anlegen, das wir später in den Pi einspielen können. Das neue Backup muss frei von zusätzlichen Modulen sein. Daher müssen diese vorher gelöscht werden.

Darum gehen wir nun unter: Einstellungen->Systemsteuerung->Zusatzsoftware

Hier deinstallieren wir alle Pakete, die vorhanden sind. Keine Angst, diese können später durch unser 1. Backup wieder vollständig hergestellt werden.

Nun erstellen wir unser 2. Backup für den Raspberry Pi.

Einstellungen –> Systemsteuerung –> Sicherheit –> Backup

Das 2. Backup nennen wir anders als das Erste, damit wir dieses beim Speichern nicht überschreiben.

homematic-backup

Die CCU2 nehmen wir nun vom Strom, da zeitgleich nur eine Zentrale laufen darf. Im nächsten Schritt spielen wir nun das 2. Backup, das wir soeben erstellt haben, in unseren Pi ein.

Dazu öffnen wir die Weboberfläche von RaspberryMatic über den Link http://homematic-raspi/

Dort navigieren wir dann zu dem Punkt Einstellungen –> Systemsteuerung –> Sicherheit –> Backup und wählen hier den Button „Backup einspielen“ aus. Wir wählen nun das 2. Backup aus. Der Vorgang läuft wesentlich kürzer als auf der CCU2 ;-)

Nun könnt Ihr (bei Bedarf) die zuvor gelöschten zusätzlichen Module installieren.

Testet die Performance einfach mal, ich finde, dass der Unterschied wie Tag und Nacht ist. Gerade bei den Programmen merkt man den Unterschied sehr erheblich! Viel Spaß beim Testen.

Empfang verbessern:

Durch den Raspberry Pi habe ich mir leider wieder das leidige Thema mit dem schlechten Empfang eingehandelt. Bei meiner CCU2 hatte ich eine externe Antenne montiert, um das Problem zu beheben.

rp_Homematic-CCU2-mit-neuer-Antenne-700x394.jpg

Da es sich bei dem Bausatz von ELV um das gleiche Funkmodul handelt, wie es auch in der CCU2 verbaut ist, kann auch bei dem Pi eine externe Antenne angebracht werden. Damit ist dann auch beim Raspberry das Problem mit dem schlechten Empfang behoben. Eine ausführliche Anleitung zum Umbau findet Ihr hier.

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