Indoor IP Kamera D-Link DCS-2210L im Test

Da ich zu den leicht paranoiden Menschen gehöre und dazu noch in einer Gegend wohne, in der Wohnungseinbrüche scheinbar nicht selten sind (laut unserer Hausratversicherung) habe ich mich wieder mit IP Kameras beschäftigt. Ich hatte noch eine etwas ältere Kamera, die aber nur eine Bewegungserkennung durch Auswertung des Bildes ermöglicht hat. Das führte leider zu vielen Fehlalarmen aufgrund schneller Lichtwechsel (z.B. durch vorbeifahrende Autos). Also habe ich mich nach einer Kamera mit integriertem Bewegungsmelder umgeschaut.

Weitere wichtige Kriterien waren für mich die Full HD Auflösung, die Stromversorgung über PoE (Power-over-Ethernet = ein Kabel weniger) und die Möglichkeit die Kamera an mein Homematic System anzubinden. Auf der Suche nach einer geeigneten Kamera bin ich auf die DCS-2210L von D-Link gestoßen.

DCS-2210L-Header

Im folgenden Bericht möchte eine Übersicht über die Funktionalität der DCS-2210L geben. In unserem Blog tauchen bereits viele Artikel von Marc über die HiKam auf, wer also auf die Profi-Features verzichten kann sollte sich auch mal Marcs Artikel „HiKam S5 mini WLAN HD IP-Kamera im Test“ anschauen.

Lieferumfang

Folgende Teile gehören zum Lieferumfang:

  • Wandhalterung (Befestigung mit zwei Schrauben)
  • Kamera
  • Netzteil
  • US-Adapter für Netzteil
  • Schrauben/Dübel
  • Ein kurzes Netzwerkkabel

DCS-2210L-Lieferumfang

 

Technische Highlights

Die vollständigen technischen Daten der DCS-2210L lest ihr am besten selber auf der D-Link Webseite nach. Sie finden sich hier unter der Rubrik „Specifications„.

Zu den interessanten Merkmalen gehören meiner Meinung nach folgende Features:

Hardware:

  • Eingebauter Bewegungsmelder (PIR) mit einer Reichweite von ca. 5 Metern
  • Bewegungserkennung durch Auswerten des Bildes
  • Integrierter Infrarot LED Scheinwerfer mit ca. 5 Metern Reichweite
  • Unterstützung von Power over Ethernet (802.3 af PoE) – dafür aber kein WLAN! (falls WLAN benötigt, siehe DCS-2136L)
  • Jeweils ein digitaler Ein- und Ausgang zur Anbindung an externe Geräte (z.B. an ein Smarthome System)
  • Micro SD Karten Slot
  • Eingebautes Mikrofon und Lautsprecher für eine Gegensprechfunktion
  • Maximale Auflösung des Video Streams beträgt 1920 x 1080 Pixel codiert als H.264, MPEG-4 oder MJPEG Stream

 

Software:

  • Samba Client – die Kamera kann also auf Windows Freigaben von beispielsweise einer NAS zugreifen und dort die Bilddaten speichern
  • FTP – Zugriff auf FTP Server
  • Automatischer Versand von Bildmaterial an ein e-Mail Postfach

Der integrierte Bewegungsmelder hat den unschlagbaren Vorteil, dass er nur auf echte Bewegungen reagiert. Der einfallende Lichtkegel eines vorbeifahrenden Autos würde also keinen Alarm auslösen (bzw. keine Aufnahme triggern).

Durch die Möglichkeit, auf einer microSD Karte zu speichern, kann die Kamera auch ohne Netzwerk verwendet werden (z.B. im Campingurlaub). Ansonsten ist die microSD Karte eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, Videos zu speichern.

Erste Schritte

Wer nicht so vertraut im Umgang mit Netzwerken ist, sollte unbedingt den Anweisungen des Herstellers folgen.  Die erste Anweisung lautet sinngemäß: Legen sie die CD ein und folgen Sie den Anweisungen. Eine Software von D-Link führt durch den Einrichtungsprozess der Kamera.

Alternativ kann der mydlink Setup Wizard unter https://eu.mydlink.com/download heruntergeladen werden. Der Setup Wizard wird einmalig verwendet um die Kamera mit der D-Link Cloud zu verbinden.

In unserem Test lief die Verbindung der DCS-2210L mit der D-Link Cloud über die PC-Anwendung sehr einfach. Die Anwendung führt den Benutzer bebildert durch die einzelnen Schritte. Daher verzichte ich hier auf eine Schritt für Schritt Anleitung. Der Folgende Screenshot zeigt den Setup Wizard:

DCS-2210L-MyDlinkAssistent

Ist die DCS-2210L erst einmal mit der Cloud verbunden, lässt sich ohne Einstellungen am Router per App auf das Bild der Kamera zugreifen. Ein Speichern der Bilder in der Cloud ist leider nicht möglich, es kann aber über die Cloud auf die micro SD Karte zugegriffen werden.

Über die Cloud können problemlos Bilder per e-Mail versendet werden, falls eine Bewegung erkannt wurde. Die Verwendung der D-Link Cloud erspart einem die manuelle Konfiguration der Servereinstellungen. Es ist aber beides parallel nutzbar.

Manuelle Einrichtung

Wer grundsätzlich weiß was er tut und nicht zusätzliche Software installieren will, kann auch direkt auf die Kamera zugreifen. Der integrierte DHCP Client ist ab Werk eingeschaltet. Ein Blick in den Router hilft, die IP-Adresse der Kamera zu ermitteln. Nun kann über den Browser direkt auf das Webinterface der Kamera zugegriffen werden. Dazu einfach die IP-Adresse in die Adressleiste des Browsers eingeben. Die Logindaten lauten standardmäßig:

Benutzer: admin
Passwort: [leer]

Nun sollte sich das Webinterface der Kamera zeigen. Von hier aus lassen sich alle Einstellungen der Kamera erreichen. Wenn alles funktioniert hat, solltet ihr dieses Bild sehen:

DCS-2210L-Webinterface

Am Anfang sollte sofort ein Passwort gesetzt werden! Dies lässt sich unter Wartung -> Admin erledigen. Sollte per App auf die Kamera zugegriffen werden, muss zwangsläufig zu Beginn ein Passwort festgelegt werden (es wird dann dem admin-Account zugeordnet).

 

Anbindung an externe Geräte – z.B. Smarthome Systeme

DCS-2210L-InterfacesZur Anbindung an externe Geräte steht ein digitaler Eingang und ein digitaler Ausgang zur Verfügung. Die Pins sind wie folgt belegt:

  • 1 – Digital OUT
  • 2 – Digital IN
  • 3 – +5V DC OUT
  • 4 – GND

Über diese Anschlüsse kann z.B. eine Aufnahme getriggert werden, wenn das Smarthome System einen Alarm auslöst. Über den Ausgang kann auch der Bewegungsmelder der Kamera als Eingang für das Smarthome System dienen. Somit muss im Eingangsbereich nicht ein teurer Smarthome Bewegungsmelder neben der IP Kamera hängen.

Folgende Ereignisse kann reagiert werden:

  • Bewegungserkennung durch Auswertung des Bildes in vordefinierten Zonen
  • Bewegungserkennung des integrierten Bewegungsmelders
  • Periodisch (es kann Beispielsweise alle x Minuten ein Bild gespeichert werden)
  • Digitaler Eingang (z.B. ein Impuls vom Smarthome System)
  • Systemstart
  • Netzwerkunterbrechung

Folgende Beispieleinstellung würde bei Erkennung einer Bewegung des PIR Sensors eine Videodatei auf die NAS legen und eine Meldung an das Smarthome System machen um z.B. das Licht einzuschalten und eine Push Nachricht auf das Smartphone zu schicken.

DCL2210L-Event

Die D-Link App

Über die MyDlink App kann von einem Smartphone aus auf die Kamera zugegriffen werden. im lokalen Netzwerk (eigenes WLAN) ist das auch problemlos ohne ein Konto bei D-Link möglich.

mydlink Lite
Entwickler: D-Link Corporation
Preis: Kostenlos
mydlink Lite
Entwickler: D-Link Corporation
Preis: Kostenlos

Mit Hilfe der D-Link App soll sich die Kamera auch erstmalig mit der Cloud verbinden lassen. Leider hat das in unserem Test nicht funktioniert. Zur Ersteinrichtung kann aber der Setup Wizard am PC verwendet werden. Anschließend konnte auch in unserem Test problemlos über das Mobilfunknetz auf das Bild der Kamera zugegriffen werden.

DCS-2210L-App

 

Speichern der Videos im Alarmfall

Es sollte grundsätzlich geklärt werden, wovor man sich schützen möchte. Wer also nur das Haustier im Auge behalten möchte, dem kann es relativ egal sein, wo das Video gespeichert wird. Wer sich aber vor Einbrechern schützen will muss damit Rechnen, dass im Ernstfall die Kamera zerstört und sämtliche Speichergeräte entwendet werden. Die Kamera bietet folgende Möglichkeiten, Bilder und Videos zu speichern.

Alle Möglichkeiten können unabhängig voneinander kombiniert werden, jedoch maximal auf fünf Servern gleichzeitig.

  • Micro SD Karte: Aufgrund der geringen Kosten für micro SD Karten würde ich einfach eine einlegen und generell die Videos dort speichern.
  • Upload auf Windows Freigabe: Bei einem Event wird das Bildmaterial auf eine Windows Freigabe geladen werden. Das kann z.B. eine NAS im lokalen Netz sein oder auch ein Cloudspeicher im Internet, der über das SMB Protokoll (Windows Freigabe) erreichbar ist.
  • Upload auf einen FTP Server: Das Bildmaterial wird auf einen FTP Server geladen. Auch hier kann die NAS oder ein Cloudspeicher verwendet werden. Bei FTP werden sich allerdings wesentlich mehr Dienste finden.
  • Versand per e-Mail: Es werden automatisch Mails mit einem Foto verschickt. Hat den Vorteil, dass man sofort informiert wird. Leider lassen sich damit keine großen Videodateien verschicken. Zum Versand der e-Mail wird ein Mailserver benötigt (z.B. Web.de, gmx.de, googlemail.com, …). Die SMTP Zugangsdaten für den jeweiligen Dienst finden sich meistens im Kundenbereich oder mit einer Suchmaschine.

Anwendungsbeispiel: Wir wollen einem Einbrecher auf die Schliche kommen und sind Paranoid. Wir Reagieren auf Bewegungen und lassen ein paar Sekunden vor dem Event mit der Aufnahme beginnen und stoppen ein paar Sekunden danach.

Wird eine Bewegung erkannt, wird das Video auf der SD Karte gespeichert (günstiges Backup in der Hoffnung, dass die SD Karte nicht entfernt oder Zerstört wird). Zusätzlich wird das Video auf einer NAS gespeichert, welche sofort einen Upload ins Netz (z.B. via btsync zu einem Freund) startet. Zu guter letzt schickt die DCS-2210L noch ein Standbild per e-Mail um mich zu informieren. Falls ich in Reichweite bin, kann ich eventuell direkt auf die Situation reagieren.

Wichtig ist, dass nur ein Upload ins Netz gestartet wird, um nicht unnötig Bandbreite zu verlieren. Schließlich ist damit zu rechnen, dass auch die NAS nach kurzer Zeit vom Netz getrennt wird. Je nach Geschwindigkeit des eigenen Internetzugangs, sollte die Video-Auflösung angepasst werden!

Ich empfehle, die Konfiguration zu testen! Stellt das System scharf, wartet einen Moment und spielt anschließend Einbrecher. Wenn hinterher kein Video im Netz ist, sollte entweder die Auflösung oder die Aufnahmedauer bzw. die maximale Dateigröße reduziert werden (viele kleine Dateien sind besser als eine große um einen reibungslosen Upload zu garantieren).

Steuerung über einen PC oder eine NAS

Wer die Entscheidungen nicht der Kamera überlassen will, kann direkt auf den RTSP Stream der Kamera zugreifen. Wie das genau funktioniert hat Marc bereits am Beispiel der HiKam in seinem Artikel „HiKam A7 und S5 Mini Videostream am PC aufnehmen“ erläutert. Sein Artikel verwendet eine kostenlose Software für den PC und die Surveillance Station von Synology auf einer Diskstation.

Die Einstellungen in der NAS laufen für die D-Link Kamera genau so ab, wie für eine HiKam. Dabei sollte beachtet werden, dass die Kamera immer die gleiche IP besitzt. Entweder fest einstellen im Webinterface der DCS-2210L unter Setup -> Netzwerk-Setup oder den Router/DHCP-Server anweisen, immer die selbe IP für die Kamera zu vergeben. Ich persönlich bevorzuge letzteres.

Alternativ zu der kostenlosen Software, die von Marc vorgestellt wurde, kann auch die von D-Link mitgelieferte Software D-ViewCam verwendet werden.

Auf der Weboberfläche der DCS-2210L lassen sich drei verschiedene Streams mit unterschiedlichen Qualitätseinstellungen konfigurieren. Es gibt die Möglichkeit auf einen (wahlweise) verschlüsselten RTSP Stream zuzugreifen. Alternativ kann auch per Webbrowser auf einen Motion-JPEG Stream zugegriffen werden. Dies lässt sich unter Setup -> Netzwerk-Setup konfigurieren:

DCS-2210L-StreamKonfiguration

Der Zugriff über den Browser erfolgt über die URL http://192.168.1.x/video1.mjpeg. Hierbei muss 192.168.1.x natürlich durch die IP der eigenen Kamera ersetzt werden. Eine sinnvolle Anwendung ist z.B. die Darstellung des Bildes auf einem Wandtablet für das Smarthome System.

Für den Zugriff über das Internet ohne die App, kann der integrierte DynDNS Dienst von D-Link und ein Portforwarding im Router verwendet werden. Aber Achtung: Ab dann kann jeder auf das Bild und die Kamera zugreifen! Dies kann ein gefundenes Fressen für Angreifer sein, daher lieber die D-Link Cloud verwenden!

Bildqualität

Ohne viele Worte… Hier ein Bild mit voller Auflösung, so wie es aus der Kamera kommt:

Bei Tag (klick zum Vergrößern):

DCS2210L-Day

 

Bei Nacht (klick zum Vergrößern):

DCS2210L-Night

 

Im Nachtmodus erkennt man gut, dass der integrierte Infrarot LED-Scheinwerfer Aktiv ist. Bis in die Zimmerecke sind es übrigens 2,2m.

 

Fazit

Die DCS-2210L überzeugt vor allem durch ihre Flexibilität und die vielen Einstellmöglichkeiten. Benutzer die Sich nicht selber damit beschäftigen möchten, können ohne Vorkenntnisse über die App und die Cloud auf Das Bild der Kamera zugreifen. Experten werden wahrscheinlich die höhere Flexibilität des Webinterfaces schätzen. Mich selber nerven diese Cloud-Features eher.

Die vielen Upload-Möglichkeiten der DCS-2210L ersparen einem die Verwendung eines NAS Systems, solange Webspace vorhanden ist. Auch auch die Verwendung eines NAS ist natürlich sehr Sinnvoll..

Insbesondere der digitale Ein-/Ausgang eröffnet die Möglichkeit für interessante Spielereien. Dadurch lassen sich Smarthome Systeme oder einfach nur weitere Lampen ansteuern. Aber Achtung: Der Ausgang ist ein Logikausgang und stellt somit nicht viel Leistung zur Verfügung.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit der DCS-2210L, nur der Preis ist leider sehr hoch. Wer die Kamera lieber per WLAN betreiben möchte, sollte auf das wesentlich günstigere Modell DCS-2136L zurückgreifen.

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