Auswahlhilfe für SD-Karten und der abkürzungs Jungle wird erklärt

sandisk16gbFür viele ist der Markt mittlerweile undurchdringbar geworden. Da mittlerweile fast jedes mobile Gerät mit SD-Karten arbeitet, die Abkürzungen und Geschwindigkeitsangaben sich ständig ändern und keiner so recht weiß, welche die geeignete Karte ist, habe ich mir die Mühe gemacht und alle Informationen die von Belang für euch sind zusammengefasst.

Was bedeutet Class 10 und was sagt eine „80x Schneller“ Angabe über die Lese-/Schreibgeschwindigkeit aus? Was bedeuten Abkürzungen wie SDHC oder SDXC? Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kompaktkamera? Welche sollte ich für meine digitale SLR benutzen, wenn ich damit auch Videos in 1080p aufzeichnen möchte? Um hier Licht ins Dunkle zu bringen, fasse ich die wichtigsten Informationen zusammen. Am Ende des Artikels findet Ihr klare Empfehlungen, welche Karte für welche Anwendung geeignet ist! 

Herkunft und Geschichte: Die SD-Karte wurde auf Basis der MMC-Karte entwickelt. Federführend war hier der Hersteller SanDisk. Der Name (Secure Digital) hat seinen Ursprung in der Absicht, das Abspielen von gespeicherten Medien durch einen Schlüssel zu verhindern. So sollte die Karte als Datenträger für z.B. Musik Verwendung finden umso das digitale Urheberrecht zu schützen (DRM). Diese Funktion hat in der Praxis keine Relevanz, nur spezielle Player und Software können diese Funktionen nutzen.

Es gibt drei Bauformen der SD-Karte, zum einen die „normale“ SD-Karte mit einer Breite 24 mm, einer Länge von 32 mm und einer Höhe von 2,1 mm. Die zweite Bauform ist, die, der MiniSD-Karte diese ist mit 20×21,5×1,4 mm etwas kleiner. Die kleinste Ausführung, die häufig in mobilen Geräten Verwendung findet, ist die microSD-Karte. Diese hat nur noch eine Größe von 11x15x1 mm.

Wofür stehen nun die Abkürzungen? Was SD bedeutet habe ich oberen Abschnitt bereits erklärt, die Erweiterungen wie HC und XC gibt es bei allen drei Varianten der Karte. Diese geben lediglich Aufschluss über die Größe der Karte.

HC  steht für „High Capacity“ normale SD-Karten haben eine Größe bis zu 2 GB. Im Laufe der Zeit wurde eine neue Spezifikation herausgebracht, die Größere Chips als 2 GB ansprechen kann. Um sich von der „normale“ SD-Karte abzugrenzen wurde der Zusatz HC implementiert. Es ist Vorsicht geboten, da zwar ältere SD-Karten abwärts kompatibel sind, jedoch können ältere Geräte die nur „normale“ SD-Karten unterstützen keine HC-Karten lesen. HC = „High Capacity“ von 2 bis 32 GB

XC steht für „eXtended Capacity“ diese Karten sind eine Erweiterung der HC-Karten. Die SDXC Karte hat Kapazitäten von 64 GB bis 2 TB. Das Gehäuse der unterschiedlichen Karten ist komplett gleich. Bei den XC Karten wird aber auf ein anderes Dateiformat gesetzt, hier findet exFAT Anwendung.

Bevor ich auf UHS-I und UHS-II eingehe werde ich erklären, was die „Class“ über eine Karte aussagt. Auf fast jeder SD-Karte ist die Angabe über die Größe sowie die Class (z.B. Class 10) abgebildet. Doch was bedeutet dies für die Karte?

Die „Class“ beschreibt die gesicherte Mindestübertragungsrate der Karte. Es gibt „Class“ 2, 4, 6 und 10. Z.B. steht dafür, dass mit dieser Karte mindestens 4 Mbyte/s auf der Karte gespeichert werden können (bei einem MPEG-Datenstrom). Die gilt für die anderen Klasse äquivalent. Class 2 = min. 2 MB/s, Class 6 = min. 6 MB/s und Class 10 = min. 10 MB/s.

Die Class-Angabe sagt aber nichts über die Lesegeschwindigkeit einer Karte aus. Nun kommen wir zu UHS-I und UHS-II. Diese Angaben beziehen sich nicht auf die Größe der Karte, sondern auf die Schreibgeschwindigkeit ähnlich wie die Angabe „Class“.

UHC-I „Ultra-Highspeed-Interface“ wurde zeitgleich mit der Spezifikation SDXC herausgebracht. Ist ein Gerät vorhanden, wie beispielsweise eine DSLR-Kamera, die die Aufnahme von 1080p Filmen unterstützt, kann die Karte mit bis zu 104 MB/s beschrieben werden. Diese Karten können auch in älteren Geräten verwendet werden, die maximale Schreibgeschwindigkeit ist dann aber auf „Class 10“ = 10 MB/s begrenzt.

UHC-II ist eine weitere Steigerung der UHC-I Geschwindigkeit, hier sind die gleichen Voraussetzungen zu beachten wie bei Karten der UHC-I Familie. Unterstützt das Gerät die UHC-II Karte nicht kann mit maximal 10 MB/s geschrieben werden. Ist ein kompatibles Gerät vorhanden, können Geschwindigkeiten von bis zu 312 MB/s erreicht werden.

Es gibt auch Speicherkarten mit der Bezeichnung U1 und U3 diese Karten haben bei U1 Schreibgeschwindigkeiten von min. 10 MB/s bei U1 und min. 30 MB/s bei U3. Dies bedeutet, dass eine Karte zugleich Class 10 als auch U1 sein kann.

Was Bedeuten Angaben wie „50x schneller“?

Hier berufen sich manche Hersteller auf die Lesegeschwindigkeit von CD-ROM-Laufwerken. Ein CD-Laufwerk mit „1x Speed“ hat eine Lesegeschwindigkeit von 150KiB/s. Dieser Faktor findet auch bei CD und DVD Brennern Anwendung. Dort werden die in einem X-fachen der Lesegeschwindigkeit angegeben. Diese Übertragung auf SD-Karten macht in meinen Augen wenig Sinn, wenn nun ein Hersteller mit „Mega-Speed 50x“ wirbt, dann hat er zwar eine große Zahl auf seiner Verpackung stehen, doch die Information dahinter ist für den Kunden sehr mager. 50x bedeutet schlichtweg 50x 150 KiB/s =  7,5 MB/s. Hier könnte der Hersteller auch wie oben beschrieben „Class 6“ aufdrucken. Also bitte auf solche Augenwischereien achten und nach den tatsächlichen Werten ausschau halten!

Ich möchte noch kurz etwas zur Lebensdauer von SD-Karten schreiben, da dieser Punkt vielen unbekannt ist. Bei SD-Karten handelt es sich genauso wie bei SSD-Festplatten um Flash-Speicher.  Dieser Speicher ist nicht unbegrenzt oft beschreibbar. Die geschätzte Lebensdauer con solchen Speichern kann mit ca. 1.000.000 Schreibvorgängen angegeben werden. Wer jetzt denk, Mist, ich beschreibe meinen USB-Sticks und SD-Karten immer nur mit kleinen Dateien und mache so den „Anfang“ des Speichers kaputt, kann beruhigt sein. Die Karten beinhalten einen Algorithmus, der genau dies verhindert. So werden immer unterschiedliche Speicherbereiche beschrieben.

Ich habe nun recht viel über die Theorie und Begrifflichkeiten der SD-Karte geschrieben, nun will ich aber direkte Empfehlungen aussprechen, welche Speicherkarte für welches Einsatzgebiet geeignet ist.

Bilderrahmen


Digitale Bilderrahmen, MP3 Player und sehr einfache Kompaktkameras: Hier steht in erster Linie die Größe der Karte im Vordergrund. Die Datenraten dieser Geräte sind eher klein, daher kann auf günstige Class 4 oder Class 6 Karten zurückgegriffen werden.

Die Preise für die Class 4 Speicherkarten sind sehr niedrig, diese sollte aber nur in den oben genannten Geräte Anwendung finden.

samsung


Für Mobiltelefone, oder auch für den Raspberry Pi eignen sich etwas schnellere SD-Karten. Hier sollte auf Class 10 gesetzt werden, da die Programme schneller ausgeführt werden können. Auch bedingt durch die größer werdenden Auflösungen der Handy-Kameras ist die Schreibgeschwindigkeit an die Karten gestiegen. Empfehlenswert sind:

Es kann auch auf Speicherkarten von Transcend und Samsung zurückgegriffen werden.

ixus


Für Kompaktkameras mit einer Auflösung ca. 20 Megapixel wie etwas die Canon IXUS oder Nikon Coolpix-Serie sollten ebenfalls SD-Karten mit Class 10 Verwendung finden.

Solltet Ihr eine Kamera verwenden, die eine hohe Serienbildfunktion unterstützt, sollten schnellere Karten verwendet werden.

ci00043_001


Für Bridgekameras und DSLRs (Einsteiger und Mittelklasse), die Videos in Full HD (1080p), eine hohe Serienbildaufnahme und die Möglichkeit in RAW-Format zu speicher, sollten SD-Karten von Typ UHS verwendet werden. Hier sollte im Einzelfall in der Anleitung der Kamera nachgeschlagen werden, welche Datenrate verwendet werden soll. Karten ab 50BM/s sind hier aber ein guter Anhaltspunkt.

Ich verwende für meine Canon EOS 700D zum einen die SaveTec 64GB SDXC U1 UHS-1 Karte. Diese ist vom Preis-/Leistungsverhältnis sehr gut. Videos lassen sich hiermit ohne Probleme in 1080p aufnehmen.

Es können auch folgende Karten verwendet werden:

Die Extreme Karten lassen Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 60 MB/s zu. Diese Karten sind auch für die 4K-Videoaufzeichnung geeignet.


Sind die Ansprüche noch höher wie beispielsweise in der Profi-Fotografie finden SD-Karten mit Datenraten von bis zu 90 MB/s Anwendung. Diese Karten werden meist in Voll-Format Kameras wie z.B. der Canon EOS 5D Mark III, der Canon EOS 7D oder der Nikon D610 eingesetzt. An diese Karten werden meist auf höhere Ansprüche an die mechanische Belastbarkeit gestellt. Die SanDisk Extreme Pro Serie ist wasserdicht, und kann bei extremen Temperaturen betrieben werden. Für „normale“ Kameras sind diese Speicherkarten zu teuer.

Abschluss: Dieser Artikel ist etwas länger ausgefallen als üblich, ich denke aber, dass die Informationen sehr übersichtlich dargestellt sind, sodass beim nächsten Kauf von Speicherkarten ein paar Informationen im Hinterkopf geblieben sind.

Das könnte Dich auch interessieren


3 Comments

  • Frank

    1. Januar 2017

    Hallo,

    was ist der Unterschied zwischen UHC und UHS?

    Grüße Frank

    Reply
    • Sebastian

      Sebastian

      1. Januar 2017

      Ultra High Capacity und Ultra High Speed beschreiben die beiden Abkürzung. Wichtig ist die Einordnung in die Class, diese beschriebt direkt um welche Geschwindigkeit es sich handelt. Die Speicherkapazität ist ja auf der Karte angegeben.

      Reply
  • Klaus Piskol

    9. September 2015

    Hallo Sebastian,
    Habe Deinen Artikel mit großen Interesse gelesen. Sehr gut erklärt.
    Hat meinen Horizont bezüglich der SD-Karten deutlich erweitert, und für
    klareres Verständnis gesorgt.
    Danke für Deine Mühe die präzisen Erklärungen.
    Klaus

    Reply

Schreibe einen Kommentar